Goldenes Lernalter, „Window of opportunity“ und sensible Phasen als Modell für langfristige Trainingsprozesse

Im Wachstums- und Reifeprozess durchlaufen Kinder- und Jugendliche verschiedene Stadien, z.B. Pubertät, Phasen unterschiedlicher Wachstumsschübe etc. die unmittelbar Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Beweglichkeit und koordinative Fähigkeiten beeinflussen. In folge dessen haben sich Entwicklungsmodelle ergeben, die davon ausgehen, dass es besondere sensible Phasen gibt in denen besonders Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Beweglichkeit und koordinative Fähigkeiten trainiert werden sollten, so wie in der nachfolgenden Grafik.

Diese Phasen werden manchmal auch als „“windows of opportunity,” “periods of accelerated adaptation,” “training emphasis periods,” or “optimum periods” bezeichnet und suggerieren, dass es Phasen gibt in denen Trainingsinhalte besonders gut trainiert werden können und man diese nicht verpassen sollte.

In einer jüngsten Veröffentlichung diskutieren Bas van Hooren und sein Co-Autor Mark De Ste Croix das Modell kritisch. Sie bemängeln vor allem:

  1. Das Modell fußt auf keiner tiefgreifenden empirischen Datenlage,
  2. Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Beweglichkeit und koordinative Fähigkeiten bedingen sich gegenseitig (z.B. Krafttraining bewirkt auch Schnelligkeitsveränderung etc. ), daher sind diese Fähigkeiten nicht isoliert trainierbar,
  3. „Kraft“, „Schnelligkeit“, „Ausdauer“, „Beweglichkeit“ und „koordinative Fähigkeiten“ als solches erklärt nicht welche Trainingsmethoden und Inhalte trainiert werden sollen,
  4. Das Model ist zu „generell“ und erklärt nicht wie sportartspezifische Fähigkeiten wann und wie ausgebildet werden,
  5. Das Modell integriert nicht andere Aspekte wie Freizeitverhalten, genetische Prädisposition und vor allem sportliche Vorerfahrung.

Letztlich ist ihr Fazit:

„The identified theoretical issues with generic sensitive periods provide stronger evidence than previous criticisms and further question their validity (Figure 2). Athlete development models and practitioners should therefore not rely on generic sensitive periods to train youth athletes“

In dieser Podcastfolge diskutieren wir vor allem wie das Modell entstanden ist, warum es keinen Mehrwert im langfristigen Trainingsprozess hat und wie eine langfristige Entwicklung von Kinder- und Jugendlichen aussehen sollte.

Viel Spass beim Zuhören!